IG Metall Mittelhessen
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10.08.2020, 02:08 Uhr

Tarifabschluss 2020 in der Metall-& Elektroindustrie

Frankfurt am Main. – Die IG Metall Mitte und die Arbeitgeberverbände der Mittelgruppe einigen sich auf die Übernahme des Pilotabschlusses aus Nordrhein-Westfalen. Damit gelten für rund 400.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland Erleichterungen bei der Kinderbetreuung und Kurzarbeit.

„Die Corona-Krise und deren Auswirkungen werden uns noch eine lange Zeit fordern. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir jetzt einen tariflichen Rahmen haben, der die Auswirkungen für die Beschäftigten zumindest abmildert und Verbesserungen beim Kurzarbeitergeld vorsieht“, so Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall Bezirks Mitte, am heutigen Donnerstag.

Es wird zur Verminderung sozialer Härten, insbesondere bei Kurzarbeit, in jedem Betrieb ein Solidartopf eingerichtet. Der Betrag, der in diesen Topf eingezahlt wird, errechnet sich aus der Anzahl der Beschäftigten im Betrieb, multipliziert mit 350 Euro. Die konkreten Auszahlungsmodalitäten sollen in den Betrieben zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern im Wege einer Betriebsvereinbarung geregelt werden. Nicht verwendete Mittel des Solidartopfes werden an die zum Stichtag 1. Dezember 2020 im Betrieb Beschäftigten zu gleichen Teilen ausgezahlt.

Finanzielle Einbußen bei Kurzarbeit können durch eine anteilige Auszahlung der jährlichen Sonderzahlung und des zusätzlichen Urlaubsgeldes reduziert werden.

Bei Schließung von Kindertagesstätten und Schulen können Eltern mit Kindern bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres zusätzliche freie Tage für die Kinderbetreuung nehmen.

Die Tarifverträge treten ab sofort in Kraft und können zum 31.12.2020 gekündigt werden.

Zeitplan Tarifrunde 2020

Resolution der Tarifkommissionen der Mittelgruppe und Thüringen zur Tarifrunde 2020

Herausforderungen der Metall- und Elektroindustrie

Die Metall- und Elektroindustrie steht vor großen Veränderungen. Die Anforderungen der

Transformation mit neuen Schlüsseltechnologien, Wertschöpfungsketten, Produkten

und Geschäftsmodellen führen dazu, dass sich die Unternehmen und Betriebe ganz

wesentlich verändern. Wir wollen, dass diese Veränderungen gemeinsam mit den

Beschäftigten gestaltet werden. Gleichzeitig brauchen die Unternehmen die

Innovationskraft der Beschäftigten und deren Veränderungsbereitschaft, um weiterhin

im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Die Menschen in den Betrieben wollen Sicherheit im Wandel und dies gelingt nur mit

ihrer Einbindung und Beteiligung. Nach 30 Jahren der Wiedervereinigung ist auch eine

Angleichung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Ostdeutschland an den Westen

überfällig.

Die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 2020 muss auf diese Herausforderungen

und Anliegen der Beschäftigten eine Antwort geben. Daher hat die IG Metall am 24.

Januar 2020 den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie ein „Moratorium für einen

fairen Wandel“ vorgeschlagen. Dies beinhaltet unsere Bereitschaft, beschleunigt zu

einem Tarifergebnis zu kommen und verlangt von den Arbeitgebern, sich bereit zu

erklären, während der Verhandlungsphase keine einseitigen Maßnahmen zu Lasten der

Beschäftigten vorzunehmen.

Verhandlungsziele Tarifrunde 2020

Die Tarifkommissionen im Bezirk Mitte sprechen sich, vor dem Hintergrund dieser

Herausforderungen und der ökonomischen Rahmenbedingungen, für eine Erhöhung der

Entgelte und Ausbildungsvergütungen zur Sicherung der Realeinkommen und zur

Stärkung der Kaufkraft aus.

Wir beauftragen die Verhandlungskommissionen, darüber hinaus Ergebnisse für die

nachfolgenden Verhandlungsziele mit den Arbeitgeberverbänden der Mittelgruppe und

Thüringens zu erreichen:

  • Vereinbarung eines Pakets für betriebliche Zukunftstarifverträge:

o Einlassungspflicht für Unternehmen, bzw. Betriebe, auf betriebliche

Tarifverhandlungen zu Investitionen, Qualifizierung, Standort- und Beschäftigungssicherung auf Verlangen der IG Metall

o Vereinbarung eines Zukunftspaketes für jeden Standort

Bei Unterauslastung soll vorrangig eine Reduzierung des Arbeitsvolumens ohne Entgeltabsenkung erfolgen.

  • Alle Beschäftigten sollen Anspruch auf eine geförderte, berufliche Qualifizierung im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes und der tariflichen Regelungen zur Qualifizierung erhalten.

  • Erhöhung der Quoten für Altersteilzeit und andere Modelle des fließenden Übergangs entsprechend der demografischen Entwicklung.

  • Vereinbarung von tariflichen Regelungen zur Verbesserung der Ausbildung und für dual Studierende

  • Ein Nachhaltigkeits-Bonus für IG Metall Mitglieder als tarifdynamischer Festbetrag.

  • Anpassung der Regeln zur Entgeltumwandlung und die Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung.

  • Für Thüringen Angleichung der Arbeitszeiten mit dem Ziel der 35-Stunden-Woche.

 

Sollten bis Anfang April keine belastbaren Ergebnisse erzielt werden, werden die

Tarifkommissionen zu den Themen

Entgelt und Ausbildungsvergütungen sowie tarifliches Angleichungsgeld (TAG) für das Tarifgebiet Thüringen entsprechende Forderungen beschließen. Die Tarifkommissionen sprechen sich für ein

Gesamtverteilungsvolumen von 4 – 5% bei einer Laufzeit von 12 Monaten aus. Darüber

hinaus werden wir weiterhin Lösungen zu den oben genannten Zielen anstreben.

Die Tarifkommission der Mittelgruppe unterstützt ausdrücklich das Vorhaben unserer

Kolleginnen und Kollegen in Thüringen und den anderen ostdeutschen Tarifgebieten,

die tariflichen Arbeitsbedingungen der Metall- und Elektroindustrie West anzugleichen.

Es gilt jetzt, die Beschäftigten in den Betrieben über die Ziele und Inhalte der Tarifrunde

zu informieren, sie für unsere Ziele zu begeistern, für Aktionen zu gewinnen und zu

aktivieren.

 

Frankenthal, den 20. Februar 2020

Meldungen: Tarif

 

 

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